23. Februar 2015

Schnell wie der Wind

Diese hinterhältigen Ikealer haben sich das nächste Möbelstück ausgeguckt, das um uns zu ärgern aus dem Programm genommen wird. Nach Expedit, den halbhohen Türen der Paxserie und Faktum trifft es nun unser Wohnzimmer: Bestå.

Was wir natürlich nicht wussten, als wir am Samstag einen billigen Kaffee trinken und Köttbullar essen wollten. Da bummelten wir nichtsahnend durch die Ausstellung und dachten, dass wir ja noch einen Schrank und die lustigen gelben Türen mitnehmen könnten, wo wir schon mal da sind.

Im Bestå-Bereich lungert überraschenderweise kein Angestellter herum. Aber man ist eingeweiht in die Verhaltensweisen beim Möbelschweden und schreibt die Gang- und Regalnummern ab. Nur gibt es plötzlich gar keine Gang- und Regalnummern. Stattdessen der Hinweis, man möge sich an die nicht herumlungernden Angestellten wenden. Im Nachbarbereich gelingt es uns, ohne vorgetäuschten Ohnmachtsanfall, einem unvorsichtigen Gelbpulli aufzulauern.

Wir schildern unser naives Begehr und werden von der verkaufspsychologisch geschulten Angestellten schonungslos mit der Wahrheit konfrontiert. Wimmernd winden wir uns am Boden. Sie tritt noch einmal nach und vergewissert sich, dass wir völlig schutzlos sind.

"Also fünf gelbe Türen gibt es noch. Wenn Sie sich beeilen..."

Wir spurten los.

Wer schlau ist, rennt ja erstmal zurück Richtung Ausgang und nimmt ab der Treppe zum Erdgeschoss jede Abkürzung, die sich bietet.

An der Treppe zum Erdgeschoss überlege ich kurz, ob es ratsam ist, sich mit Köttbullar zu stärken. Doch wir wollen drei der fünf Türen, da zählt jede Sekunde.

Wir hechten weiter Richtung Lager, schnappen uns einen Wagen und schliddern in Gang 24. Fach 16, Fach 16, Fach 16, wo ist denn bloß Fach 16. Da ist es. Fach 16.

Fünf Türen. Wir laden drei auf.

Und als wir unsere Beute ins Auto geladen haben und zurück Richtung Ausstellung schlendern, weil ja noch Kaffee, Köttbullar und Küchenplanung ausstehen, fühle ich mich seltsam gut. Tschakkah. Jetzt hab ich es denen aber gezeigt.

20. Februar 2015

Billiges Vergnügen

Neulich war ich ja erst ganz lange schwanger und hab dann ganz lange gestillt und habe ergo ganz lange keinen Alkohol getrunken und war dann ganz lange sehr froh, als das vorbei war.

Seitdem bin ich nach einer halben Flasche Kölsch so gut angeschickert, dass sicher jeder Film äußerst lustig wäre. Wo ich ja als Grundlage sowieso ein Faible für schlechte Filme mitbringe. Aber wenn man dann noch einen tatsächlich guten und lustigen Film guckt, dann weiß man, wofür man diesen Verzicht geübt hat: grenzenloses Heimkinovergnügen.

18. Februar 2015

Big brother is watching

Neulich schüttelte der Fußabtreter des Elfenbeinturms alles einmal durch und ich in Folge um. Fortan befand sich die Kaffeemaschine im vierten Stock, mein Büro aber im dritten. Nichts lerne ich schneller, als wo der Kaffee herkommt. Der Kaffee ist wo? Im vierten Stock.

Dann jedoch wurde ich schlagartig alt und folgerichtig alterssenil. Und zog um, vom dritten in den fünften Stock.

Seitdem verbringe ich ziemlich viel Zeit im Treppenhaus. Denn jedes Mal, wenn noch kein Kaffee auf dem Schreibtisch steht, eine leere Kaffeetasse auf dem Schreibtisch steht, schon fast kein Kaffee mehr in der Kaffeetasse auf dem Schreibtisch ist oder ich mit der Schweizerschwäbin einen Kaffee trinken muss, mache ich mich auf den Weg. Den Gang entlang, leere Kaffeetasse in der Hand und somit Endziel vor Augen. Schwungvoll schwinge ich die Tür ins Treppenhaus auf und bewundere die Aussicht über die Kaiserstadt. Gläserne Wände haben doch schon was schickes, wenn man den schönsten Dom der Welt sehen kann.

Schwungvoll mache ich mich an den Aufstieg, die leere Kaffeetasse in der Hand und somit das Endziel vor Augen. Der Schwung schwingt mich bis fast auf den Zwischenabsatz, da wird mir klar, dass ich wieder falsch gelaufen bin. Der Kaffee ist ja jetzt unter mir. Ich schwinge mit dem Restschwung des fröhlichen Gierigen bis auf den Zwischenabsatz, drehe ein bis zwei Pirouetten und mache eine höfliche Verbeugung in Richtung potentielle Zuschauer. Denn wo ich gucken kann, können andere das auch.

Theatralisch beschwingt swinge ich, die leere Kaffeetasse in der Hand als Mikro benutzend, zurück in den fünften Stock und dann schnell und geschwind auf leisen Pfoten noch weiter in den vierten Stock. Dahin, wo die Kaffeemaschine steht.

Da, wo ich den Schlüssel nicht direkt aus der Tasche ziehen kann, weil der sich irgendwo in einem Faden verhakt hat. Wo er sich dann nicht galant ins Schloss schieben lässt, weil ich erst den vom Vertretungsbüro nehme, da ich ja versiert und souverän wirken möchte, für den Fall, dass jemand zuguckt. Da, wo die leere Kaffeetasse zum Glück noch nicht auf nackten Treppenhausfliesen zerborsten ist.

Berühmt zu sein, das wäre nichts für mich. Zu viele Zuschauer. Viel zu viele.

17. Februar 2015

Intuition

Kinder wissen ja oft ganz gut, wie so die Stimmung ist. Wulfhild zum Beispiel hatte als Baby sehr feine Antennen für die Lage der Nation. Fühlten wir uns wohlig entspannt, war sie es auch. Irritierte uns das neue Leben als Eltern und nährte ein gewisses Angstlevel, war das entspannte Baby ein Teil der Vergangenheit und wir lebten mit einem leidigen Nervenbündel unter einem Dach.

Herr Gandalf ist ganz ähnlich gepolt. Kriechen Mama und Papa mit letzter Kraft durch den Vorhof der Hölle formerly known as Magen-Darm-Infekt für alle Familienmitglieder an Karneval, so nimmt er all seinen Mut zusammen und schafft es doch mal, bis vier Uhr morgens zu schlafen, bevor er vom Hungertod beinahe eingeholt wird. Ich konnte mein Glück kaum fassen.

Wulfhild? Naja. Sie nutzte ihr Gespür eher dafür, unsere Schwachstellen zu identifizieren, Salz in die Wunden zu streuen, das Messer nochmal zu drehen und so weiter und so fort. Seit gestern gibt es also den stillen Sessel in dieser Familie.

14. Februar 2015

Durchschnitt ist anders

Hier jagt ein Großereignis das nächste. Der erste Übernachtungsbesuch, der heute den ganzen Tag im kölschen Karneval verbrachte, der erste Spieleabend in großer Besetzung, die erste durchgebrochene Nacht im neuen Kinderzimmer if you know what I mean, das erste massive Zurückschneiden der Rosen und dann gab es noch die erste Einladung zu einer Party der Einheimischen später im Frühling.

Läuft, dieses Eingewöhnen.